Geschichten, die uns tief in ihren Bann ziehen und uns die Welt um uns herum vergessen lassen, nutzen meist wichtige erzählerische Mittel.
Eines davon wird noch immer häufig unterschätzt: das Foreshadowing (auch „Vorausdeutung“ genannt). Dabei handelt es sich um subtile Hinweise, die auf zukünftige Ereignisse in der Story hindeuten.
Richtig eingesetzt, kann das Foreshadowing die Lesenden fesseln und die Handlung der Geschichte noch intensiver wirken lassen.
In diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie diese Erzähltechnik gezielt nutzen können, um Spannung aufzubauen, Überraschungen vorzubereiten und Ihre Geschichte mit einer Prise Raffinesse zu bereichern.

Was ist Foreshadowing?
Beim Foreshadowing bauen Sie in Ihrer Story kleine Hinweise oder Andeutungen ein, die auf spätere Entwicklungen hinführen, sie sozusagen anteasern. Diese Hinweise können entweder offensichtlich oder subtil sein. Es liegt an Ihnen, wie viel Sie Ihren Lesenden verraten möchten. Erzähltechniken wie die Vorausdeutung unterstützen Sie dabei, Ihre Geschichte lebendiger und spannender zu gestalten.
Ein Beispiel:
Nehmen wir an, Ihre Protagonistin findet in Kapitel 1 eine wunderschöne Halskette mit einem Anhänger. Zunächst scheint es sich nur um ein hübsches Schmuckstück zu handeln, doch später stellt sich heraus, dass es eine wichtige Rolle für den Handlungsverlauf spielt.
Dieser Anhänger ist ein klassisches Beispiel für Foreshadowing – er wird früh in die Geschichte eingeführt und entfaltet seine Bedeutung erst später.
Warum ist Foreshadowing so wirkungsvoll?
Das Erzählmittel der Vorausdeutung erfüllt verschiedene wichtige Funktionen:
- Spannungsaufbau: Wenn Lesende während der Story spüren, dass etwas Bedeutendes bevorsteht, möchten sie natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht.
- Überraschungen vorbereiten: Ein überraschender Wendepunkt wirkt glaubwürdiger und authentischer, wenn er durch subtile Hinweise vorbereitet wurde, ohne dabei zu viel zu verraten.
- Tiefe schaffen: Das Foreshadowing verleiht Ihrer Geschichte eine zusätzliche Tiefe und macht sie lebendiger und durchdachter.
Tipps für effektives Foreshadowing
- Seien Sie subtil
Vorausdeutungen sollten nicht zu offensichtlich sein – sonst rauben Sie Ihrem Text die Spannung. Streuen Sie stattdessen kleine Details ein, die zunächst unwichtig erscheinen, später aber eine größere Bedeutung erhalten. Ein beiläufiger Satz oder ein auf den ersten Blick unbedeutendes Detail kann Wunder wirken.
- Planen Sie voraus
Die Erzähltechnik des Foreshadowings funktioniert am besten, wenn sie sorgfältig geplant ist. Fügen Sie bereits beim Plotten Ihrer Geschichte die Schlüsselmomente ein, die Sie andeuten möchten und überlegen Sie, wie Sie diese Hinweise geschickt einbauen können.
Tipp: Das Arbeiten mit einer Mindmap kann Ihnen dabei helfen, den Überblick über Ihre Vorausdeutungen zu bewahren.
- Nutzen Sie unterschiedliche Techniken
Vorausdeutungen können auf viele Arten in eine Story eingebaut werden:
- Dialoge nutzen: Lassen Sie Ihre Figuren etwas sagen, das später an Bedeutung gewinnt („Ich finde, diese Nachbarn waren schon immer unheimlich.“).
- Symbole erschaffen: Objekte oder auch Motive können ebenfalls gut als Vorausdeutungen verwendet werden (z. B. eine verwelkte Rose als Symbol für das Ende einer großen Liebe).
- Stimmung erzeugen: Die Atmosphäre in einer Szene kann auch subtile Hinweise geben (z. B. ein plötzlicher Sturm als Vorbote für Konflikte).
- Träume oder Visionen einbauen: Diese Methode ist sehr beliebt und eignet sich besonders gut für Fantasy- oder Mystery-Geschichten.
- Spielen Sie mit den Erwartungen der Lesenden
Eine besonders wirksame Technik ist das Foreshadowing mit Verwendung des sogenannten „Red Herrings“. Dabei wird die Aufmerksamkeit der Lesenden bewusst auf eine falsche Spur gelenkt, um später den Überraschungseffekt zu verstärken. Dieses Erzählmittel erfordert Fingerspitzengefühl – wenn es jedoch gelingt, sorgt es für unvergessliche Plot-Twists.
- Lösen Sie die Andeutungen auf
Für die Lesenden ist kaum etwas frustrierender als unerfüllte Erwartungen. Wenn Sie sich entscheiden, das Foreshadowing in Ihrer Geschichte einzusetzen, sollten die angedeuteten Ereignisse früher oder später auch wirklich eintreten – andernfalls fühlen sich die Lesenden betrogen.
Achten Sie also darauf, dass jede Vorausdeutung zur Handlung beiträgt und ihre Auflösung erhält.
Fazit
Die Technik des Foreshadowings ist ein mächtiges Werkzeug für Ihre Geschichte. Doch vergessen Sie nie: Die Dosis macht das Gift. In der richtigen Menge verleiht sie Ihrer Story Tiefe und Spannung, setzen Sie sie jedoch zu häufig ein, wirkt die Handlung schnell unglaubwürdig und wird unübersichtlich. Nutzen Sie Vorausdeutungen daher stets gezielt und mit Bedacht, um die Lesenden zu überraschen und zu begeistern.
Sind Sie auf der Suche nach einem professionellen Lektorat? Fühlen Sie sich noch unsicher bei der Umsetzung des Foreshadowings? Ich unterstütze Sie gern mit einem Lektorat, Korrektorat oder einem individuellen Coaching.
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