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Die Kunst des bildlichen Erzählens – Show don’t tell


In der Welt des Schreibens existieren zahlreiche Regeln, doch kaum eine ist so verbreitet wie „Show don’t tell“. Sie ist der Schlüssel zu lebendigen und intensiven Texten, die die Lesenden nicht nur informieren, sondern vollständig in ihren Bann ziehen.

 

In diesem Blogartikel möchte ich Ihnen diese Schreibregel anhand von Beispielen erklären und Ihnen Tipps geben, wie Sie „Show don’t tell“ in Ihrem Manuskript anwenden können.

Lektorat Moosbuchner, glücklichschreiben

Was bedeutet „Show don't tell“?

 

Die Kernaussage dieser Regel ist: Zeigen Sie den Lesenden konkrete Bilder, Handlungen und Details für eigene Schlussfolgerungen, anstatt Emotionen und Eigenschaften direkt zu benennen.

 

Ein Beispiel:

Tell: Er war wütend.

Show: Seine Finger umklammerten den Stift so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. Sein Blick durchbohrte das Dokument vor ihm, während er die Worte zwischen zusammengepressten Zähnen hervorstieß.

 

Wo liegt hier der Unterschied?

Bei der Formulierung im Show erleben wir die Wut der Figur, anstatt nur davon in Kenntnis gesetzt zu werden.


Wie wirkt „Show don’t tell“ auf die Lesenden?

 

Diese Schreibtechnik beeinflusst mehrere Ebenen beim Lesen:

  • Emotionale Verbindung: Die Erschaffung konkreter Bilder aktiviert die Vorstellungskraft der Lesenden und ermöglicht eine tiefere emotionale Resonanz.
  • Vertrauen und Respekt: Sie bringen Ihren Lesenden Vertrauen und Respekt entgegen, indem Sie Ihnen zusprechen, dass sie subtile Hinweise interpretieren können, anstatt ihnen alles einfach nur vorzukauen.

Wie wird „Show don't tell“ angewandt?

  • Die Sinne nutzen: Überlegen Sie, was Ihre Figuren sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen. Sensorische Details transportieren Erfahrungen unmittelbar und machen Texte dadurch deutlich intensiver.
  • Handlungen verwenden: Der Charakter einer Figur mit all seinen Eigenschaften wird am überzeugendsten durch ihr Verhalten vermittelt.

Dazu ein Beispiel:

Tell: Sie war großzügig.

Show: Sie gab dem Obdachlosen ihren letzten Euro, obwohl sie immense Schulden hatte.

 

  • Dialoge arbeiten lassen: Durch die Art, wie eine Figur spricht, erhalten die Lesenden Einblicke in deren Persönlichkeit.
  • Stimmung durch Setting: Die Umgebung bzw. der Schauplatz einer Szene kann innere Zustände widerspiegeln, ohne sie direkt zu benennen.

Wann kann „Tell“ eingesetzt werden?

 

Nicht jedes Detail einer Szene muss ausführlich dargestellt werden.

„Tell“ ist daher beispielsweise geeignet für:

  • nebensächliche Informationen
  • Übergänge und Zeitsprünge
  • Situationen, in denen Tempo wichtiger ist als Atmosphäre

Die richtige Balance

 

Die Kunst der Schreibregel „Show don’t tell“ liegt nicht in der strikten Vermeidung von „Tell“, sondern im bewussten Einsatz beider Techniken. Entscheidend ist hier die Frage: Was braucht Ihr Text an dieser Stelle?


Praktische Tipps für Autor*innen

  • Gezielte Überarbeitung: Markieren Sie in Ihrer Rohfassung alle Adjektive und Adverbien. Prüfen Sie nun bei jedem, ob Sie es durch konkrete Handlungen oder Details ersetzen können.
  • Emotionen spüren: Bevor Sie mit dem Schreiben einer Szene beginnen, sollten Sie sich in die emotionale Lage und die Gefühlswelt Ihrer Figur hineinversetzen. Achten Sie auf die körperlichen Reaktionen, die Sie dabei selbst erleben.
  • Filmregisseur werden: Stellen Sie sich die Szene Ihrer Geschichte als Film vor. Welche Details zeigt die Kamera in Nahaufnahme, sowohl in der Umgebung als auch bei den Figuren (Mimik, Gestik)?
  • Lernen Sie von Vorbildern: Analysieren Sie kurze Textstellen Ihrer Lieblingsautor*innen, die Sie beim Lesen berührt haben. Was macht die Emotionen hier besonders intensiv?
  • Emotions-Wörterbuch: Nehmen Sie ein Notizbuch und sammeln Sie körperliche Manifestationen verschiedener Emotionen als Inspirationsquelle für Ihre Beschreibungen.

Fazit

Wie die meisten Regeln ist auch „Show don’t tell“ keine starre Regel, die niemals gebrochen werden darf, sondern ein kraftvolles Werkzeug in Ihrem Schreibrepertoire. Setzen Sie es bewusst ein, werden Ihre Geschichten nicht nur gelesen, sondern auch intensiv erlebt.

 

 

 

Sind Sie auf der Suche nach einem professionellen Lektorat? Fühlen Sie sich noch unsicher bei der Umsetzung von „Show don’t tell“? Ich unterstütze Sie gern mit einem Lektorat, Korrektorat oder einem individuellen Coaching.

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