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Zwischen den Zeilen – ist die Zusammenarbeit mit Testlesenden sinnvoll?


Bis ein Manuskript entsteht, ist viel Kreativität, Arbeit, Leidenschaft und Durchhaltevermögen nötig. Doch am Ende haben auch erfahrene Autor*innen noch ein Gefühl der Unsicherheit und stellen sich die Frage: Ist der Text wirklich so gut, wie ich ihn selbst wahrnehme?

 

Genau hier kommen Testlesende ins Spiel. Sie können mit ihrem Feedback die ersten Überarbeitungsideen anstoßen. Sie sind mehr als nur Lesende und eher als aufmerksame Unterstützung zur Vorbereitung auf das Lektorat zu sehen.

 

Lektorat Moosbuchner

 

Doch wie sinnvoll ist die Hilfe von Testleser*innen tatsächlich?

In diesem Blogartikel gebe ich Ihnen einen Überblick der Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit mit Testlesenden und Sie erhalten Tipps, was es bei der Auswahl zu beachten gilt?


Die Vorteile

  • Ein anderer Blick auf die Story

Als Schreibende stecken wir so tief in der Materie, dass es uns schwerfällt, Unklarheiten oder Logikfehler zu erkennen. Wir sind sozusagen „betriebsblind“. Testleser*innen bringen hier eine neue Perspektive ein und können z. B. auf unnötige Wiederholungen, verwirrende Passagen oder Lücken im Plot hinweisen.

  • Erwartungshaltung bestimmter Genres

Im Idealfall haben Sie Testlesende, die das Genre, in dem Sie schreiben, bereits gut kennen. Sie können Ihnen dabei helfen, dass die Erwartungshaltung bzgl. des Genres in Ihrem Text auch wirklich befriedigt wird.

  • Emotionale Wirkung

Jeder Text wirkt anders auf die lesende Person. Durch die Zusammenarbeit mit Testleser*innen können Sie herausfinden, welche Emotionen Ihre Geschichte transportiert und ob die Figuren lebendig erscheinen und nachvollziehbar handeln. Dieses Feedback ist oft sehr aufschlussreich für die Schreibenden.


Die Nachteile

  • Subjektivität

Alle Testleser*innen bringen ihre eigene Persönlichkeit (Wahrnehmung, persönliche Vorlieben, Erfahrungen) mit. Das führt dazu, dass das Feedback nicht immer objektiv ist. Was für eine Person stimmig erscheint, könnte für eine andere unpassend oder unlogisch wirken. Bewerten Sie die Rückmeldungen daher nicht zu stark und konzentrieren Sie sich auf konstruktive Kritik.

  • Verunsicherung

Manche Schreibende haben eine sehr große Testlesegruppe. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass Sie sich von den vielen Meinungen, die Sie zu Ihrem Manuskript erhalten, verunsichern lassen. Alle Testlesenden haben eigene Vorstellungen davon, wie eine Story wirken sollte. Wenn Sie nun versuchen, alles umzusetzen, kann dies dazu führen, dass Sie Ihren eigenen Stil verwässern. Vertrauen Sie daher unbedingt auch auf Ihre eigene Intuition und Ihr Bauchgefühl.

  • Organisation und Zeit

Die Auswahl, Organisation und Kommunikation, die bei der Zusammenarbeit mit Testlesenden anfällt, kann äußerst zeitaufwendig sein. Zudem müssen Sie das Feedback abwarten, um Ihr Manuskript vor dem Lektorat noch einmal überarbeiten zu können, was den Schreibprozess insgesamt verlängern kann. Es ist daher stets wichtig, eine Balance zwischen der Zusammenarbeit mit Testleser*innen und der eigentlichen Schreibarbeit zu finden.


Tipps für die Auswahl der Testlesenden

  • Zielgruppe beachten

Suchen Sie stets Testlesende, die Ihre Zielgruppe repräsentieren und/oder in dem Genre, in dem Sie schreiben, bewandert sind. Jemand, der mit Fantasy-Romanen nichts anfangen kann, wird Ihre Arbeit anders bewerten als jemand, der sich in diesem Bereich auskennt.

  • Klare Anweisungen geben

Die beste Unterstützung können Ihnen Testleser*innen nur dann geben, wenn sie wissen, worauf sie achten müssen. Geben Sie ihnen also konkrete Fragen oder Punkte vor, auf die sie sich beim Lesen fokussieren sollen. Dies können beispielsweise der Spannungsbogen, die Figuren und ihre Entwicklung oder die Authentizität der Dialoge sein.

Je präziser Sie sind, desto gezielter kann das Feedback ausfallen.


Wichtig

 

Kritik kann manchmal sehr schmerzhaft sein, aber denken Sie daran, dass Testlesende Ihnen helfen möchten, Ihre Geschichte zu verfeinern. Konzentrieren Sie sich auf die konstruktiven Rückmeldungen und werten Sie diese nicht als persönlichen Angriff, sondern als wertvolle Chance, Ihren Text zu überarbeiten.

 

Aber

 

Nicht jedes Feedback muss zwingend umgesetzt werden. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und wählen Sie selbst aus, welche Anmerkungen Ihnen weiterhelfen und welche eher nicht. Vertrauen Sie Ihrer Intuition und entscheiden Sie selbst, was für Ihr Manuskript am besten ist.


Fazit

 

Die Zusammenarbeit mit Testlesenden ist eine hervorragende Möglichkeit, ein Manuskript zu verbessern und die Story aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dennoch ersetzen sie kein professionelles Lektorat. Testleser*innen können den Überarbeitungsprozess durch ihre Perspektive bereichern, während das Lektorat die finale Qualität sicherstellt.

 

Eine Kombination aus beidem ist daher der Schlüssel zu einem rundum gelungenen Manuskript.

 

 

Sie haben Ihr Manuskript beendet und sind auf der Suche nach einem professionellen Lektorat? Oder fühlen Sie sich noch unsicher bei der Überarbeitung und möchten Unterstützung bei diesem Prozess? Ich helfe Ihnen gern mit einem Lektorat, Korrektorat oder einem individuellen Coaching. Kontaktieren Sie mich direkt über mein Anfrage-Formular oder schreiben Sie an mail@lektorat-moosbuchner.de.